Geldanlage in Aktienanleihen - Ausweg aus dem tiefen Zinsniveau?

AktienanleihenFestverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen sind bei Anlegern sehr beliebt. Sie bieten eine feste Zinszahlung und das Kapital wird am Ende der Laufzeit in der Regel zu 100% zurückbezahlt.

Jedoch sind zur Zeit die Erträge von als sicher geltenden Anleihen nur sehr beschränkt und gleichen oftmals die Inflationsrate nicht aus. Verluste für den Anleger sind vorprogrammiert.

Einen Ausweg versprechen Aktienanleihen. Sie bieten oft deutlich höhere Renditen als herkömmliche Anleihen.

Was sind Aktienanleihen und wie funktionieren sie?

Die Bezeichnung Aktienanleihen beschreibt die Funktion der Wertpapiere recht gut. Das Finanzinstrument ist eine Sonderform der herkömmlichen Anleihe und bezieht sich darüber hinaus auf einen Basiswert, in der Regel eine Aktie oder ein Aktienindex.

Wie bei einer klassischen Anleihe "leihen" die Anleger dem Emittenten (eine Bank) mit dem Kauf des Instruments ihr Kapital. Im Gegenzug verpflichtet sich die Bank, dem Käufer der Anleihe einen bestimmten Zinssatz (Kupon) für die Laufzeit zu einem vorgegebenen Fälligkeitstag zu zahlen.

Die Zahlungen beziehen sich immer auf den Nennbetrag der Anleihe, zumeist 100 oder 1000 Euro. Aktienanleihen notieren in %, der volle Nennbetrag entspricht dabei 100%.

Im Unterschied zu klassischen Anleihen, hängt die Höhe des Rückzahlungsbetrages von der Entwicklung des Basiswertes (Aktien oder Aktienindex) ab.

Anleger sollten sich vor Kauf einer Aktienanleihe ein genaues Bild über das Chancen/Risiko-Profil und die Ausstattungsmerkmale des Wertpapiers machen.

Wichtige Kriterien bei der Auswahl von Aktienanleihen sind:

  • Basiswert: Die Entwicklung des Basiswertes (Aktie oder Aktienindex) ist der entscheidende Faktor für die Rendite. Die Auswahl des Basiswertes sollte sehr sorgfältig getroffen werden.

  • Volatilität: Die Volatilität, d.h. die Schwankungsbreite des Aktienkurses des Basiswertes, beeinflusst die Höhe des Kupons und den Preis der Aktienanleihe während der Laufzeit. Je höher die Volatilität des Basiswertes, desto höher der Kupon. Nimmt die Volatilität des Basiswertes während der Laufzeit ab, erhöht sich der Kurs der Aktienanleihe. Umgekehrt gilt: Erhöht sich die Volatilität während der Laufzeit, verringert sich der Kurs der Aktienanleihe.

  • Basispreis: Der Schwellenpreis für den Basiswert (Aktie), der zum Emissionszeitpunkt bestimmt wird. Er liegt in der Regel zum Emissionszeitpunkt unter dem Aktienkurs. Je grösser der Abstand zum aktuellen Kurs zum Emissionszeitpunkt, desto niedriger ist der Kupon. Umgekehrt gilt: Je geringer der Abstand, desto höher der Kupon.

  • Kupon (Zins): Die Kuponzahlung erfolgt immer. Der allgemeine Marktzins hat jedoch Auswirkungen auf den Kurs der Aktienanleihe während der Laufzeit. Bei steigendem Marktzins, sinkt der Kurswert und bei fallenden Marktzins während der Laufzeit, steigt der Kurswert der Aktienanleihe.

  • Dividenden: Wie bei den meisten Strukturierten Produkten verwenden die Emittenten die Dividenden des Basiswertes für die Konstruktion der Struktur. Je höher die Dividende, desto mehr Geld steht für den Kupon zur Verfügung. Umgekehrt gilt: Je geringer die Dividende, desto geringer fällt der Kupon aus.

  • Restlaufzeit: Die Restlaufzeit der Aktienanleihe hat Einfluss auf den Kurs während der Laufzeit. Je kürzer die verbleibende Laufzeit, desto mehr ist die Aktienanleihe wert, da die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass die Aktie den Basispreis berührt.

  • Bewertungstag: Am Bewertungstag wird abgerechnet. An diesem Tag wird festgestellt, ob der aktuelle Aktienkurs des Basiswertes über oder unter dem Basispreis liegt. Der Tag der Abrechnung ist in der Regel ein paar Tage nach dem Bewertungstag.

  • Nennbetrag: Der Nennbetrag gibt die Höhe der Stückelung an und bestimmt den Investitionsmindestbetrag. Meistens sind das 1000 Euro oder aber auch 100 Euro. Der Anleger kann ein Vielfaches des Nennbetrages kaufen.

  • Briefkurs: Das ist der Kurs, zu dem die Aktienanleihe gekauft werden kann. Er kann über oder unter 100% liegen. Bei Emission ist oft noch eine Ausgabegebühr von 1-1.5% enthalten. Während der Laufzeit kann die Aktienanleihe zum Briefkurs an Börsen oder direkt beim Emittenten gekauft werden.

Der Kupon wird immer gezahlt, unabhängig von der Entwicklung des Basiswertes während die Rückzahlung des Kapitals vom Basiswert abhängt.

Es gibt dabei zwei Szenarien:

  • Liegt der Aktienkurs zum Bewertungstag auf oder über dem zum Emissionszeitpunkt festgelegten Basispreis, erhält der Anleger den Nennbetrag zu 100% zurückgezahlt.

  • Notiert der Aktienkurs am Bewertungstag unterhalb des Basispreises, erfolgt die Rückzahlung in Form der Lieferung einer bestimmten zum Emissionszeitpunkt festgelegten Anzahl von Aktien (oder eines dem Wert entsprechenden Barauszahlungsbetrages bei Indizes).

Im zweiten Szenario macht der Anleger Verluste, wenn die Kuponzahlung nicht ausreicht, um den Kursverlust der Aktie zu kompensieren. Der Anleger kann jedoch die Aktien halten und auf spätere Kursgewinne spekulieren, um die anfänglichen Verluste auszugleichen.

Im ersten Szenario macht der Anleger auf jeden Fall ein Gewinn in Höhe der Kuponzahlung, wenn die Aktienanleihe zum Kurs von 100% gekauft wurde. Wurde sie zu einem höheren Kurs als 100% gekauft, ist der Gewinn geringer und bei einem niedrigeren Kaufkurs als 100% entsprechend höher.

Ein Beispiel soll verdeutlichen, wie eine Aktienanleihe funktioniert und welche Gewinne oder Verluste möglich sind.

Es soll eine Aktienanleihe mit dem Basiswert Bayer gekauft werden. Der Nennwert ist 1000 Euro. Der aktuelle Aktienkurs von Bayer bei Emission ist 80 Euro. Der Basispreis wird von der Emittenten Bank auf 72 Euro festgelegt. Das sind ca. 10% weniger als der aktuelle Aktienkurs.

Der Verfallstag ist in einem Jahr. Der Kupon beträgt 7% und der aktuelle Briefkurs der Aktienanleihe beträgt 101%. Das Bezugsverhältnis liegt bei 13.9 Bayer Aktien pro 1000 Euro Investitionssumme.

Aktienanleihen müssen nicht von Banken gekauft werden. Sie können auch selbst konstruiert werden, ohne Emittenten Risiko und Bankgebühren und für fast jeden beliebigen Basiswert.

Wie das geht, erfahren Sie im Optionen Strategiebrief.

Vier Szenarien mit unterschiedlichen Kursen des Basiswertes sollen mögliche Renditemöglichkeiten oder Verluste verdeutlichen:

  • Im ersten Szenario liegt der Aktienkurs der Bayer Aktie am Verfallstag bei 95 Euro. Der aktuelle Aktienkurs hat sich gegenüber dem Emissionskurs um 18.8% erhöht. Die Rendite bei einem Direktinvestment in die Bayer Aktie wäre 18.8% gewesen. Zusätzlich erhält der Anleger noch die Dividendenzahlung.

    Ein Investment in die Bayer Aktienanleihe würde zu 100% zurückbezahlt. Die Rendite setzt sich zusammen aus der 7% Kuponzahlung (70 Euro) und dem Verlust von 10 Euro basierend auf dem Umstand, dass die Aktienanleihe zu 101% und nicht zu 100% gekauft wurde. Der Gewinn ist daher 5.9%.

  • Im zweiten Szenario liegt der Aktienkurs der Bayer Aktie am Verfallstag bei 75 Euro. Der aktuelle Aktienkurs hat sich gegenüber dem Emissionskurs um 6.3% verringert. Der Verlust wäre daher 6.3% plus Dividendenzahlung.

    Ein Investment in die Aktienanleihe würde zu 100% zurückbezahlt, da der Aktienkurs über dem Basiswert von 72 Euro liegt.

    Die Rendite setzt sich zusammen aus der 7% Kuponzahlung (70 Euro) und dem Verlust von 10 Euro basierend auf dem Umstand, dass die Aktienanleihe zu 101% und nicht zu 100% gekauft wurde. Der Gewinn ist daher ebenfalls 5.9% im Vergleich zu einem Verlust von 6,4% beim Direktinvestment.

  • Im dritten Szenario liegt der Aktienkurs der Bayer Aktie am Verfallstag bei 70 Euro. Der aktuelle Aktienkurs hat sich gegenüber dem Emissionskurs um 12.5% verringert. Der Verlust beim Direktinvestment wäre daher -12.5% plus Dividendenzahlung.

    Der Aktienkurs von 70 Euro liegt unter dem Basiskurs von 72 Euro, sodass der Nennwert nicht zu 100% zurückbezahlt wird, sondern es werden 13.9 Bayer Aktien ins Depot geliefert.

    Dies entspricht 973 Euro. Bei sofortigem Verkauf der Bayeraktien wäre die Rendite Situation wie folgt:

    Ein Verlust des Nennwertes von 37 Euro (1010 Euro minus 973 Euro) und eine Kuponzahlung von 70 Euro. Der Nettogewinn entspricht 33 Euro oder 3.3% im Vergleich zu einem Verlust von 12.5% beim Direktinvestment.

  • Im vierten Szenario hat sich der Bayer Aktienkurs sehr schlecht entwickelt und liegt nur noch bei 60 Euro am Verfallstag. Der aktuelle Aktienkurs hat sich gegenüber dem Emissionskurs um 25% verringert. Der Verlust beim Direktinvestment wäre daher -25% plus Dividendenzahlung.

    Der Aktienkurs von 60 Euro liegt unter dem Basiskurs von 72 Euro, sodass der Nennwert nicht zu 100% zurückbezahlt wird, sondern es werden 13.9 Bayer Aktien ins Depot geliefert. Dies entspricht 834 Euro. Bei sofortigem Verkauf der Bayeraktien wäre die Rendite Situation wie folgt:

    Ein Verlust des Nennwertes von 176 Euro (1010 Euro minus 834 Euro) und ein Kuponzahlung von 70 Euro. Der Nettoverlust entspricht 106 Euro oder -10.5% im Vergleich zu einem Verlust von -25% beim Direktinvestment.

Chancen und Risiken einer Aktienanleihe

Wer die Chancen am Aktienmarkt sucht und zugleich weniger als bei Direktinvestments riskieren möchte, für den kann eine Aktienanleihe die passende Wahl sein.

Das Beispiel macht deutlich, dass der Investor einer Aktienanleihe ein moderat steigender, gleich bleibender oder leicht fallender Aktienkurse des Basiswertes erwartet. In diesen Fällen ist die Rendite der Aktienanleihe positiv.

Bei stark fallenden Kursen resultiert die Aktienanleihe in Verlusten, die aber geringer ausfallen als beim Direktinvestment. Bei stark steigenden Kursen des Basiswertes verzichtet der Anleger auf die vollständige Partizipation am Kursanstieg. Die Renditen sind geringer.

Aktienanleihen bieten Renditen, die deutlich höher sind als bei herkömmlichen Anleihen sicherer Schuldner. Dafür hat der Anleger jedoch ein höheres Investment-Risiko, das hauptsächlich von der Entwicklung des Basiswertes abhängt.

Falls der Aktienkurs bis zum Bewertungstag stark fällt, entstehen dem Anleger Verluste, wenn die Kuponzahlung nicht mehr ausreicht, um den Wertverlust der Aktie zu kompensieren. Wenn die Aktien ins Depot gebucht werden, muss der Anleger sie nicht sofort mit Verlust verkaufen.

Er kann sie auch halten, um auf steigende Kurse zu spekulieren und eventuell wieder in die Gewinnzone zurückzukehren.

Im schlechtesten Fall kann es zum Komplettverlust kommen, wenn der Basiswert bei Null ist, d.h. das Unternehmen im Konkurs steht.

Käufer von Aktienanleihen gehen auch ein Emittenten Risiko ein. Denn Aktienanleihen sind wie Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen der emittierenden Bank. Im Insolvenzfall des Emittenten kann es passieren, dass der Anleger seinen Kapitaleinsatz teilweise oder sogar vollständig verliert.

Eine Streuung der Aktienanleihen über mehrere Emittenten kann das Risiko reduzieren.

Weitere Informationen zum Thema Anleihen finden Sie auf der Anleihen Webseite.

Die vielfältige Welt der Strukturierten Produkte können Sie auf der Zertifikate Webseite finden.


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