Geldanlage in Anleihen - verstehen und gewinnbringend nutzen

Was sind Anleihen?

Anleihen und Zinsen

Anleihen sind fest- oder variabelverzinsliche Wertpapiere (auch Bonds genannt), die einfach gesagt Schuldverschreibungen einer Organisation (Staat, Unternehmen, etc) sind, welche verspricht die geliehenen Gelder mit Zinsen zu einem späteren Zeitpunkt zurückzuzahlen.

Diese Seite soll eine Einführung in die Welt der Anleihen geben, die verschiedenen Herausgeber von Anleihen aufzeigen sowie die Hauptelemente einer Anleihe erklären. Wir wollen Sie aber auch über die Risiken dieser Anlageklasse aufklären und Ihnen zeigen, welche Anleihen am besten für die verschiedenen Anlegertypen geeignet sind.

Wer gibt Anleihen heraus ?

Eine Organisation begibt eine Anleihe, weil sie Geldmittel benötigt, um Investionen oder die laufenden Ausgaben zu finanzieren.

Folgende Institutionen geben Anleihen heraus:

  • Die grössten Herausgeber von Anleihen sind Staatsregierungen. Sie haben in der Regel eine hohe Kreditqualität und können sich einfach am Anleihenmarkt finanzieren.

    Ihr Verschuldungsgrad ist höher als bei Unternehmen, da die Staaten über Rohstoffe und steigende Steuereinnahmen verfügen. Jedoch sind nicht alle Staaten gleich.

    Es gibt Staaten mit hoher Kreditwuerdigkeit wie die USA, Deutschland, Niederlande, Schweiz, etc aber auch Staaten die nahe am Bankrott sind wie Venezuela, Ecuador, Ukraine, Griechenland und andere.

  • Lokale Behörden, Agenturen und multinationale Institutionen haben in der Regel ebenfalls eine hohe Kreditwürdigkeit.

    Anleihen von Agenturen oder multinationale Institutionen sind voll von einem oder meheren Staaten gedeckt. Beispiele hierfuer sind die KfW (Kreditanstalt fuer Wiederaufbau), EIB (Europaeische Entwicklungsbank) oder Weltbank.

    Beispiele fuer lokale Behörden sind die Länder oder Städte der Bundesrepublik Deutschland.

  • Ein weiteres Segment sind die Unternehmensanleihen, welche sehr stark von der Kreditwürdigkeit, dem Schuldenniveau und der Profitabilität des jeweiligen Unternehmens abhängen.

    Die Emittenten sind sehr vielzählig und stammen hauptsächlich aus den Branchen Banken, Versicherungen, Automobile, Chemie und Telekommunikation.

  • Ein in den letzten Jahren stark gewachsenes Anleihesegment sind die besicherten Anleihen, auch Covered Bonds genannt.

    Sie sind mit bestimmten Werten gesichert, wie Hypotheken, Immobilien oder Schulden des öffentlichen Sektors.

    Ein bekanntes Beispiel sind die Pfandbriefanleihen, die mit Immobilien gedeckt sind. Der Vorteil der Pfandbriefe ist, dass es nicht nur auf die Kreditwürdigkeit des Herausgebers(meistens eine Bank) ankommt, sondern das die Anleihe mit Immobilien gesichert ist.

    Sogenannte Asset-Backed Securities (ABS) fallen auch in diese Kategorie. Sie sind im wesentlichen festverzinsliche Wertpapiere, die mit Forderungswerten wie Hypotheken, Studentendarlehen, Autodarlehen, Kreditkartenforderungen gedeckt sind. Dabei werden verschiedene Forderungen in ein Wertpapier zusammengefasst und an Investoren weiterverkauft.

Was sind die Schlüsselfaktoren einer Anleihe?

Die wichtigsten Merkmale einer Anleihe sind die Währung (z.B. Euro, US Dollar, Brit. Pfund, etc), der Nennwert, der Kurs, die Fälligkeit und der Zinscoupon.

Alle Bedingungen und Merkmale einer Anleihen sind im Emissionsprospekt festgehalten und können nur mit Zustimmung der Anleihenhalter geändert werden.

Das Prospekt legt den Nennwert fest, zu dem die Anleihe bei Fälligkeit zurueckbezahlt wird. Normalerweise ist eine Anleihe nur zu einem Mindestnennwert zu kaufen. Euro Anleihen haben meistens einen Mindestnennwert von 1000 oder 50000 EUR. Anleihen in USD, CHF oder GBP haben meistens einen Mindestnennwert von 5000, d.h. man muss mindestens 5000 CHF investieren, um eine bestimmte CHF Anleihe zu kaufen.

Die Fälligkeit einer Anleihe bestimmt, wann die Schuld zum Nennwert zurückgezahlt werden muss. Die meisten Anleihen haben eine vertraglich fixierte Fälligkeit, ausser undatierte Anleihen mit offenem Rückzahlungszeitpunkt. Bei dieser Art kann der Emittent basierend auf den vertraglichen Regeln die Anleihe zurückkaufen.

Der Zinskoupon regelt den Zinssatz, der während der Laufzeit gezahlt wird. Er ist meistens ein Prozentsatz des Nennwerts, der jährlich fuer europäische Anleihen und halbjährlich fuer amerikanische oder japanische Anleihen ausgezahlt wird.

Es gibt Anleihen mit einem fixen oder einem variablen Koupon. Der Vorteil eines fixen Zinssatzes ist, dass man genau weiss was man bekommt. Ein fixer Koupon partizipiert jedoch nicht an steigenden Zinssätzen. Ein variabler Koupon richtet sich nach einem Referenzzinsatz , z.B. 3 Monats LIBOR plus einem bei Emission festgelegten Aufschlag (z.B. 2%).

Diese Art erlaubt dem Investor an steigenden Zinsätzen zu partizipieren aber auch an fallenden.

Während der Laufzeit ist der Kurs einer börsennotiereten Anleihe Schwankungen unterworfen. Der Kurs steigt im wesentlichen, wenn das allgemeine Zinsniveau sinkt oder wenn die Kreditwürdigkeit des Herausgebers sich erhöht, z.B. durch eine bessere Bewertung durch die Ratingagenturen.

Der Kurs sinkt ensprechend, wenn die Zinsen steigen oder sich die Kreditwürdigkeit des Herausgebers durch eine Herabstufung einer Ratingagentur verschlechtert.

Der Kurs wird an der Börse täglich durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Entsprechend der erwähnten Logik steigt die Nachfrage nach einer Anleihe, wenn das Zinsniveau sinkt, da die Anleihe mit einem relativen hohen Zinssatz ausgestattet ist und sie fuer den Investor attraktiv erscheint, der Kurs steigt.

Umgekehrt bei steigenden Zinsen, ist eine Anleihe mit niedrigem Kupon eher uninteressant und das Angebot steigt und die Nachfrage sinkt, der Kurs fällt.

Die Kreditqualität und die Rolle von Ratingagenturen

Das Hauptrisiko eines Anleihenbesitzers besteht darin, dass die Anleihe bei Fälligkeit oder die Zinsen gar nicht oder nur teilweise zurückbezahlt wird. Man nennt dies das Kreditausfallrisiko.

Sehr viele Anleihen haben ein Kreditrating, welches von Ratingagenturen vergeben werden. Bekannte Ratingagenturen sind Moody's, Standard und Poors and Fitch.

Hier können Sie sich über die Anleihen Rating Skala informieren.

Anleihen mit einem AAA Rating gelten als besonders sicher und ihr Ausfallrisiko wird als sehr gering betrachtet. Nur sehr wenige Unternehmen und Staaten haben diese Rating.

Anleihen mit einem A Rating sind generell als sicher zu bezeichnen und koennen auch einem risikoscheuen Investor empfohlen werden. Anleihen mit einem BBB Rating gelten zwar immernoch als zur Investition empfohlene Papiere, sind jedoch bei einer Herabstufung sehr schnell im spekulativen Bereich. Anleihen mit einem Rating von BB und schlechter sind spekulativ.

Anleihen in einzelne Unternehmen oder Staaten mit diesem Rating sind nur dem sehr risikofreudigen Anleger zu empfehlen. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit mittels eines Fonds zu diversifizieren.

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Der Kauf eines Hochzinsanleihenfonds streut das Risiko über sehr viele Anleihenherausgeber. Wenn einer ausfällt hat das geringere Auswirkungen auf einen Fonds als auf die jeweilige Einzelanlage.

Die Einstufung von Ratingagenturen basiert auf den Analysen und Meinungen der jeweiligen Agenturen und ist in der Regel verlässlich.

Hundertprozent korrekt sind sie jedoch auch nicht, da es zu Fehleinschätzungen kommen kann. Dies gilt besonders bei komplexen Anleihen, wie das Beispiel der Subprime Hypothekenanleihen in den USA gezeigt hat.

Die negative Entwicklung in Unternehmen und Staaten entwickelt sich manchmal so schnell, sodass die Ratingagenturen mit ihrer veränderten Risikoeinschätzung verspätet reagieren.

Kurzgesagt, die Einschätzung der Kreditqualität durch die Agenturen sind in der Regel verlässlich, aber es kann immerwieder zu negativen Überraschungen kommen und als sicher eingestufte Anleihen sind dann plötzlich gar nicht mehr so sicher und der Anleger kann ein Verlust erleiden.

Wenn ein Staat, Unternehmen oder Organisation pleite gegangen ist und die Anleihen und Zinsen nicht vertragsgemäss zahlen kann, heisst das noch nicht, dass der Anleger überhaupt kein Geld mehr bekommt.

Eine Studie von Moody's hat im Zeitraum von 1987 bis 2008, Anleihen untersucht, die nicht mehr vertragsgemäss zurückbezahlt wurden. Die Studie hat herausgefunden, dass Anleihenbesitzer im Durchschnitt dennoch 46% des Kapitals zurückbekommen haben.

Welche Anleihen sind zur Geldanlage geeignet und was muss man dabei beachten?

Anleihen Generell kann ein Investor jegliche Art von Anleihen kaufen, es kommt ganz auf die Risikotoleranz an. Das gilt sogar für Anleihen von Unternehmen, die bereits pleite sind.

Wenn der Investor eine hohe Rendite sucht, muss er auch ein entsprechendes Risiko des Verlustes akzeptieren. Es gibt auch im Anleihenmarkt nichts umsonst.

Der risikoscheue Anleger, der sicher sein möchte, dass Zinsen und Kapital bezahlt werden, sollte sich Anleihen mit AAA oder AA Rating ins Depot legen. Der Zins und die Rendite sind für diese Anleihen natürlich am geringsten.

Das Kreditrisiko ist sehr gering, aber es besteht dennoch das Zinsänderungsrisiko, d.h. der Kurs der Anleihe kann während der Laufzeit steigen oder fallen. Das hat jedoch keine Bedeutung, wenn der Anleger die Anleihe bis zur Fälligkeit hält.

Das Zinsänderungsrisiko ist bei kurzen- und mittleren Laufzeiten (bis zu 5 Jahre) klein, bei längeren Laufzeiten jedoch erheblich. Der risikoscheue Anleger sollte daher eher kurze oder mittlere Laufzeiten bevorzugen.

Die Wahl der Währung einer Anleihe hat einen entscheidenen Einfluss auf den Zinssatz. So sind Anleihen in Euro, Schweizer Franken oder US Dollar mit einem niedrigeren Zins ausgestattet als Anleihen in exotischeren Währungen wie Türkische Lira, Brasilianische Reais, Russischer Rubel und andere.

Mit der Anlage in eine Fremdwährungsanleihe besteht natürlich ein Währungsrisiko oder auch Chance. Die Veränderung der Fremwährung gegenüber der Währung des eigenen Landes führt zu zusätzlichen Verlusten oder Gewinnen.

Der konservative Anleger sollte daher zu Anleihen in der eigenen Währung greifen.

Der risikobewusste Investor, der eine höhere Rendite bei überschaubarem Risiko sucht, kann zu Anleihen mit Rating A oder BB greifen, bei denen die Kapitalrückzahlung und Zinsen relativ sicher sind.

Es können auch Anleihen in höherverzinslichen Währungen ins Depot genommen werden. Hier muss sich der Anleger jedoch genau erkundigen und eine positive Einschätzung der Fremdwährung haben, da bei Währungsverfall, die höhere Verzinsung sehr schnell durch Währungsverluste aufgebraucht wird.

Anleihen mit schwacher Kreditqualität mit einem Rating von BB und tiefer sollte nur mittels einem Fonds gekauft werden. So kann das Ausfallrisiko breit gestreut werden.

Für den informierten Spekulaten bietet das Spektrum der Anleihen mit sehr geringer Kreditqualität (Rating B und tiefer) ein gutes Betätigungsfeld.

Es können sehr hohe Renditen erzielt werden mit Unternehmen und Staaten, von denen man annimmt, dass sie bald Bankrott gehen oder bereits sind. Die Kurse sind sehr niedrig und die Zinsen hoch.

Kommt es nicht so schlimm und die Organisation wird gerettet, dann winken dreistellige Renditen. Aber Vorsicht in vielen Fällen geht die Organisation wirklich pleite und der Spekulant verliert alles.

Für einen Anleiheninvestor sind die folgenden Kriterien wichtig:

- Kreditqualität des Unternehmen/Staates

- Laufzeit der Anleihe

- Währung der Anleihe

- Liquidität und Stückelung der Anleihe

- Allgemeines Zinsniveau

Die Liquidität einer Anleihe an der Börse ist für viele Anleihen oft gering, sodass ein Kauf und Verkauf mit zeitlicher Verzoegerung gemacht werden kann.

Bei spekulativen Anleihen ist besonders auf ausreichende Liquidität zu achten. Investmentanleihen kann man auch bis zur Fälligkeit halten.

Etliche Anleihen sind nur in grossen Mindeststückzahlen (z.B. 50000 Euro) erhältlich und können von Kleinanlegern nicht gekauft werden. Eine gute Recherche ist daher unvermeidlich.

Eine Anleihensonderform sind Aktienanleihen. Es sind genaugenommen Strukturierte Produkte, von Banken herausgegeben, mit Aktiengesellschaften als Basiswert. Diese Sonderform bietet eine höhere Verzinsung.

Alles Wissenwerte über Aktienanleihen gibt es auf der entsprechenden Aktienanleihen Webseite.


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